Eine Frau im Frauenmonat März

Der internationale Frauentag am 8. März hat für mich nichts von seiner Bedeutung verloren. Im Gegenteil. Wir Frauen selbst sind es, die mit dafür sorgen müssen, dass wichtige Errungenschaften weiblichen Lebens nicht einfach wieder verschwinden.

Daher stelle ich Ihnen heute eine Frau vor, die Frauenbiografien wachhält und Politisches mit Privatem verbindet in ihrem Leben und ihrem klugen und feinen Blog.

Le monde de kitchi ist ein wundervoller Blog mit vielen Facetten und Astrid, die ihn schreibt, eine höchst bemerkenswerte Frau. Keine junge Frau, die mit Blog & Co. groß geworden ist, sondern eine Frau im Großmutter-Alter und mit 7 Enkelkindern.

Sie finden in diesem Blog Anregungen und Neuigkeiten, wunderbar selbst Genähtes und Blumenarrangements mit Liebe und Stil. Sie finden darin warnende politische Artikel und Erinnerungen an Menschen, die für die Meinungsfreiheit ihre eigene Freiheit verloren haben. Und Sie finden darin  persönliche Reiseberichte und sorgfältig zusammengestellte Biografien von Frauen.

Diesen Blog möchte ich Ihnen ans Herz legen im Monat der Frauen.

7 Fragen an Astrid

1. Wie bist Du auf die Idee gekommen zu bloggen und wann hast Du damit angefangen?

Darauf gekommen bin ich, weil ich auf der Suche nach schönen Stoffen für Kinderkleidung im Netz auf beeindruckende Nähblogs gestoßen bin und die vier Jahre regelmäßig gelesen habe. So hatte ich die Möglichkeit eines Austausches über  ein gemeinsames Hobby, den ich in meiner Umgebung vermisste. Die Einrichtung eines Blogs war dann eine Spontanaktion an einem langweiligen, verregneten Sommertag 2012.

2. Welches Konzept hast du derzeit in deinem Blog und hat sich das verändert in der Zeit von Anfang bis jetzt?

Gestartet bin ich mit der Idee eines reinen Nähblogs, bin dann bei den anderen auf schöne Aktionen – sog. Challenges – gestoßen wie „12 von 12“, „In Heaven“, den „Friday – Flowerday“ oder dem „12tel Blick“. So hat sich mein Spektrum ständig erweitert. Das ist ja ein gegenseitiges Geben & Nehmen in der Blogosphäre. Man regt sich an zu Dingen, auf die man vorher nicht das Augenmerk gerichtet hätte. Ich habe dann zuerst wieder mehr aufs Fotografieren geachtet. Durch reale Kontakte zu Bloggerinnen hat sich auch vieles geändert, es wurde sich auch auf der allgemein menschlicheren Ebene  ausgetauscht bzw. ich nahm an kreativen Aktionen teil. Nach meinem Unfall im September 2013 hat sich das noch verstärkt. So kamen immer mehr Posts dazu, die sich mit menschlichen & gesellschaftlichen Fragen beschäftigten. Ein toller Auslöser war auch Barbaras Idee, Posts über großartige Frauen zu veröffentlichen. Da bin ich völlig eingestiegen ( und Barbara hat es aufgegeben und bloggt ohnehin kaum noch ). Ein weiterer Impuls, der mich & mein Blog „politisierte“, war der Fall des saudischen Bloggers Raif Badawi im Januar 2015. Und dann hat das Blog noch eine wichtige Funktion für mich als Tagebuch übernommen, nachdem mein Leben durch vielfältigste private Probleme belastet war: Ich habe darin festgehalten, was mir Schönes begegnet ist und immer wieder nachgelesen ( oder mehr geschaut ), wenn ich wieder niedergeschlagen war. Bloggen ist außerdem eine schöne Beschäftigung fürs Alter, also jenseits der Berufsphase : Man kommt nicht auf trübsinnige Gedanken und ist immer beschäftigt mit diversen Projekten.

3. Was ist dir das Wichtigste  am Bloggen?

Mich mit anderen auszutauschen, die ähnlich ticken wie ich selbst. Früher habe ich viel mit Kollegen zusammen gesessen, Leute in Kneipen getroffen etc. – das ist, wenn man älter wird, einfach zu anstrengend und ungemütlich bzw. , wenn man denn in Rente ist, nicht mehr so leicht möglich. Außerdem schreibe & recherchiere ich gerne – etwas, was ich über das Bloggen wiederentdeckt habe.

4. Gibt es etwas, was du nie tun würdest mit deinem Blog?

Mich über Beziehungsprobleme auslassen

5. Kennst Du Deine LeserInnen?

Ich kenne schon eine recht große Zahl an Leserinnen persönlich. Aber gemessen an den doch inzwischen recht hohen Klickzahlen ist das dann nur ein sehr kleiner Bruchteil der Personen, die wohl täglich meinen Blog aufsuchen.  Mein Problem ist ja auch, dass ich ein rein deutschsprachiger Blog bin und internationale Leser sich eher selten im Kommentar äußern.

6. Wie löst Du technische Probleme?

Indem ich mich im Netz umtue. Für jedes Problem findet sich da irgendwo eine passende Lösung, so meine Erfahrung.

7. Was freut Dich am meisten beim Bloggen?

Dass ich sozusagen herumkomme, obwohl ich in den vergangenen Jahren durch meine familiäre Situation ( und jetzt meine gesundheitliche ) stark eingeschränkt war in meinem Bewegungsradius, und dabei in ganz Europa interessante & liebe Menschen kennen gelernt habe, mit ihnen in Kontakt stehe, sie treffe oder gar besuche. Und man bekommt viel Zuwendung auf unterschiedlichste Art, oft in einer einfühlsameren Weise, als es im realen Leben vorkommt.

Vielen Dank liebe Astrid für die persönlichen Antworten. Ich wünsche Dir viele zugewandte LeserInnen und weiterhin viel Freude an Deinem Blog.

Und vielleicht lassen Sie, liebe Leserin und lieber Leser unseres da sempre-Blogs, sich davon anregen,  etwas zu tun für die Lage von Frauen hier und anderswo.

Möglichkeiten dafür gibt es viele. Angefangen von der finanziellen Unterstützung z.B. von Medica Mondiale über Ehrenamtliches Tun in Frauenprojekten bis hin zu Politischen Aktionen wie dem “Marsch der Frauen”. Der Protest gegen die immer noch ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern findet am Equal-Pay-Day statt.  Wir  haben hier schon 2008 darüber berichtet.

Auch LeserInnen-Briefe, Online-Unterschriftsaktionen und v.a. zur Wahl gehen sind wichtige demokratische Mittel, die wir nutzen sollten.

Frauen sind die Hälfte der Weltbevölkerung  – dessen sollten wir uns bewusst sein. Auch, aber nicht nur am Internationalen Frauentag.

Sieglinde Graf im März 2017

Die Fotos sind von Astrid K. mit freundlicher Genehmigung zum Abdruck. Vielen Dank!

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