Kunsttage in München – ganz persönlich

Wir sind öfters in München, weil wir dort unsere Enkelkinder besuchen. Dabei bleibt meist keine Zeit für etwas Anderes. Kunst zum Beispiel.
Da wir aber Kunst lieben und in München es soviel davon gibt, haben wir drei Tage Urlaub dort gemacht und sind ein bisschen eingetaucht in die Kunstszene von München. Es gibt ja jede Menge zu sehen und so haben wir einen Querschnitt von ganz Altem zu ganz Aktuellem erlebt. Das war höchst interessant und inspirierend.

Unser Hotel war so gewählt, dass wir viel zu Fuß machen konnten und es nahe dem Pinakotheken-Viertel lag. Dass dies sehr nötig werden könnte, hätten wir so jedoch nicht gedacht: 
Es war nämlich just an zwei Tagen totaler Streik bei den Öffentlichen Verkehrsmitteln und wir gingen tatsächlich alles zu Fuß. 

Alte Pinakothek

Unser erstes Kunstziel war die Alte Pinakothek erbaut als erstes Museum, das auch der Öffentlichkeit zugänglich sein sollte. Eine schöne Wiese davor ohne Absperrung sollte einladen und Hemmschwellen überwinden. Denn der Bau selbst ist durchaus respekteinflössend.
Heute werden die Wiese und die warme Hauswand von vielen Studentinnen und Studenten als gemütlicher Ort für ein Sonnenbad im März genutzt.

Wir wollten vor allem einen Nürnberger besuchen.  Albrecht Dürer. Sein berühmtes Selbst-Portrait hängt nämlich schon lange in München. Es war im Jahr 1500 eine absolute Neuheit in Darstellung und Logo. Er war nicht nur ein genialer Maler, sondern durchaus bewundernswert waren auch seine Vermarktungsideen und -Strategien. Auch seine Frau Agnes hat damals schon auf der Messe in Frankfurt verkauft und sie hatte einen Stand an der Sebaldus Kirche in Nürnberg mit seinen Arbeiten.
Natürlich haben wir noch viele andere Alte Meister angesehen. Besonders gelungen dadurch, dass derzeit eine Ausstellung ist, die sie in einer neuen Zusammenschau zeigt: Alte Meister in Bewegung.

Alte Meister in Bewegung – Neupräsentation der Sammlung
Alte Pinakothek München



Flowerpower in der Kunsthalle

Ein ganz anderes Thema haben wir in der Münchner Kunsthalle in vielen Varianten erlebt:
Flowers for ever.  Blumen in Kunst und Kultur.
Dass Blumen nicht nur schmücken, sondern durchaus gewichtige politische Hintergründe haben können, wurde in dieser Ausstellung deutlich. 
So stehen die Blüten des Pfefferstrauches auf dem gelben Foto für all die Frauen, die durch Versklavung schwanger wurden und versuchten mit diesem Kraut abzutreiben, davon erzählte schon Maria Sibylla Merian (die auch einmal in Nürnberg gelebt hat) und die Künstlerin Kapwani Kiwanga griff es auf und nannte es „Die Marias“.
Eine andere Installation zeigt unzählige Trockenblüten, die Menschen auf aller Welt aufgefädelt haben und damit zu diesem „Blütentempel“ beigetragen haben.


Wir beide sind auf dem Foto inmitten einer Computer-Video-Installation, die durch die Bewegung der im Raum gehenden Menschen immer neue in der Natur nicht vorkommende Blüten generiert.
Ein mystisches Erlebnis.
Diese Ausstellung ist unglaublich vielfältig und lohnt absolut den Besuch:

Flowers for ever: Blumen in Kunst und Kultur
3.2.–27.8.2023  Kunsthalle München



Werbung, weil sie uns so gefallen hat:

Eine geführte Galerietour durch die Maxvorstadt

Zu Weihnachten hatten wir uns etwas Besonderes geschenkt:
Eine ART-Galerietour durch die München Maxvorstadt.  Diese haben wir nun eingelöst und waren begeistert. 6 Galerien haben wir besucht mit unserer versierten Führerin und wurden in allen Galerien sehr aufmerksam empfangen und informiert zu den Ausstellungen dort. Wir haben sehr hochwertige und höchst unterschiedliche Kunst gesehen wie sonst in kleinen Ausstellungen in Museen und sehr gut kuratiert. 
Wir waren in teueren Galerien ebenso wie in kleinen engagiert geführten Galerien für Konzeptkunst.  Bei der Maximilianstraße fingen wir an und endeten im Pinakotheken-Viertel, wo sich Galerie an Galerie reiht. 
Wir haben folgende Galerien besucht:
Galerie Max Goelitz
Galerie Britta Rettberg
Galerie Ruetz
Galerie Rüdiger Schöttle
Galerie Thomas Modern
Galerie Wittenbrink

Alle Galerien hatten hochwertige Kunst ausgestellt. Mehr hochpreisige von Künstlern als von Künstlerinnen. Da kürzlich zum Equal-Pay-Day und zum Internationalen Frauentag sich gerade auch Künstlerinnen zu Wort gemeldet hatten, möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass sie tatsächlich im Kunstmarkt unterbewertet werden. Es ist zwar eine vermehrte Ausstellungstätigkeit zu verspüren für Künstlerinnen in der letzten Zeit, aber in der finanziellen Bewertung und in den Sammlungen sind sie immer noch viel zu niedrig vertreten.
Siehe hier:http://www.equalpay.wiki/Gender_Pay_Gap_nach_Branchen

Auch, wenn wir hier Werbung machen:
Diese Tour von „Meet the World“ können wir uneingeschränkt empfehlen. Auch wenn sie zu Fuß war und 3 Stunden dauerte. Kein Schritt zu weit und keine Stunde zu lang!
Es war einfach nur sehr bereichernd.
Und es gibt sie auch in anderen Städten. Vielleicht auch in Ihrer?

Kleiner Nachtrag vom 11.03.2023: 
Ich hatte ganz vergessen zu erzählen, dass wir bei der Tour nur zu zweit waren und unsere Guide Vera. Das war natürlich nochmals besonders exclusiv und schön.  Sonst können bis zu acht Personen dabei sein.

Kunst belebt uns und macht unser Leben reicher, das erleben wir immer wieder.  So unterschiedliche Kunst wie wir sie in diesen 3 Tagen erlebt haben, mit so unterschiedlichen Ausstellungen, Museen und Galerien und Galeristen ist ein wunderbares Geschenk, das man sich selbst schenken kann.
Kunst findet  ja nicht nur im Museum statt, sondern auch  – und vielleicht besonders – in Galerien. Sie können auch ohne Führung einfach reingehen und sie genießen.
Ganz umsonst.

In diesem Sinne grüßen wir Sie sehr herzlich und wünschen Ihnen viel Kunst auf Ihrem Weg…
Ihre
Sieglinde Graf und Herbert Gschwandtner

P.S. Wenn Sie in München sich auf andere Spuren von Kunst und Künstlerinnen begeben wollen, können Sie auch hier bei der Bloggerin Sunny einige Anregungen erhalten: Schwabinger Bohème und Frauenpower

Fotos: Sieglinde Graf

14 Antworten auf „Kunsttage in München – ganz persönlich“

  1. Vor allem der Linktipp zum Schluss hat mich noch mal „angeregt“ und ich habe bei Sunny vorbeigeschaut.
    Die Blumen-Ausstellung ist natürlich ein Muss, das weißt du ja.
    So ein Galerienrundgang ist schon was Reizvolles, wenn frau sich auf aktuelle Kunst einlassen will. Ich bin da ja leicht „überfüttert“, gehe aber neben denen in der Familie noch in die in meinem Veedel und kaufe hin und wieder kleine Sachen. Das kann man da ja noch bezahlen und erfreut einen täglich zu Hause. ( Das ist nämlich mein Tipp, statt Drucke von Ikea usw. ) Außerdem erfährt man auch einiges über die Techniken. )
    Schön, dass du diesen Post noch veröffentlicht hast!
    GLG
    Astrid

    1. Liebe Astrid, das machen wir hier auch in Galerien und kaufen auch immer wieder kleine Sachen, wie Du schreibst. Auch in Salzburg haben wir schon einiges erstanden, so in feiner Urlaubslaune.
      Im Kunstareal rund um die Pinakotheken sind wirklich erstaunlich viele Galerien. Herbert kannte noch die Maxilimianstraße voll davon, aber da hat die Luxusgentrifizierung zugeschlagen und sie sind schon vor Jahren ausgewandert in die jetzigen Standorte. Wir fanden es toll, da so einige zu entdecken, die wir sicher mal wieder aufsuchen werden.
      Die wundersame Blumenausstellung ist Pflicht! :-).
      Schön, dass Dich der Post gefreut hat und Du auch bei Sunny mal reingeschaut hast.
      Herzlichst, Sieglinde

      Hier noch ein Nachtrag von heute:
      Kleiner Nachtrag vom 11.03.2023:
      Ich hatte ganz vergessen zu erzählen, dass wir bei der Tour nur zu zweit waren und unsere Guide Vera. Das war natürlich nochmals besonders exclusiv und schön. Sonst können bis zu acht Personen dabei sein.

  2. Toll, dass Ihr Euren Plan in die Tat umsetzen konntet und so viele tolle Eindrücke sammeln konntet. Es ist durchaus immer eine gute Idee das Hotel möglichst na am Besichtigungsort zu wählen. Wir haben das damals auf dem Peloponnes genauso gehalten. Die haben da zwar keinen MVV der Streikt, aber man weiß ja nie.
    Danke fürs Verlinken zu meinem Beitrag. Ich habe die anderen beiden „Münchner Beiträge“ auch noch im Gepäck. Astrid kam schon zum lesen.
    Gerne verlinke ich Dir hier die beiden, die in dieser Reihe schon hier bei mir erschienen sind.
    Glanz und Größenwahn
    NS-Bauten (Brienner Straße)
    BG
    Sunny

    1. Liebe Sunny,
      ja, die Hotelwahl war wirklich eine gute Eingebung. Wir hatten einen Moment dann schon überlegt, ob wir mal die E-Roller ausprobieren sollten, aber die Radwege in München sind schmal und voll. Das ist nix mehr für uns. Also sind wir alles gelaufen. Bei Meet the World läuft man ja so einiges, wie Du selbst weißt. Aber immer hochinteressant, wie Du ja selbst auch schreibst!
      Danke fürs Verlinken Deiner beiden sehr informativen und unterhaltsamen Beiträge. Das freut mich.
      Liebe Grüße
      Sieglinde

      Hier noch ein Nachtrag von heute:
      Kleiner Nachtrag vom 11.03.2023:
      Ich hatte ganz vergessen zu erzählen, dass wir bei der Tour nur zu zweit waren und unsere Guide Vera. Das war natürlich nochmals besonders exclusiv und schön. Sonst können bis zu acht Personen dabei sein.

  3. Da habt Ihr Euer Kulturbedürfnis ja ordentlich gestillt! Das hätte in Summe meine Sinne komplett überfordert. Die Galerietour klingt interessant, gerade die kleinen dabei. Denn wie Astrid möchte ich keinen Druck vom Möbelschweden an der Wand haben.

    Verschneite Sonnengrüße!

    1. Das schaut jetzt nur so aus, als ob wir total mit Kunst überfüttert worden wären, liebe Ines. Tatsächlich haben wir nur jeden Tag eine Ausstellung gemacht oder die Tour. Da blieb noch genügend Zeit für Kaffeehausbesuche, zu Manufactum und Dallmayr reinschauen und sogar abends Verwandtentreff beim Italiener. War alles sehr fein, nur die kilometerlangen Fußmärsche auf Stadtpflaster fand ich ermüdend.
      Galerien sollte man aufsuchen und auch was kaufen, das macht lange Freude daheim an der Wand, das finde ich auch.
      Bei der Tour fand ich auch die großen Galerien sehr spannend, denn da gabs sogar einen Beckmann oder Balkenhol oder Neo Rauch zu kaufen. Die Preise habe ich nicht erfragt. Manche sind von außen sehr pompös und innen auch. Aber wir wurden überall sehr freundlich empfangen und nirgends arrogant. Das fand ich sehr erfrischend.
      Bei uns kein Schnee, soll aber noch kommen… ich brauch’s nicht mehr!
      Herzlich,
      Sieglinde

      Hier noch ein Nachtrag von heute:
      Kleiner Nachtrag vom 11.03.2023:
      Ich hatte ganz vergessen zu erzählen, dass wir bei der Tour nur zu zweit waren und unsere Guide Vera. Das war natürlich nochmals besonders exclusiv und schön. Sonst können bis zu acht Personen dabei sein.

  4. Ach, ich freue mich mit dir, liebe Sieglinde!
    Du konntest deiner großen Liebe zur Kunst fröhnen und hast gleichzeitg noch Liebe an die Enkelkinder verteilen können. Das ist so schön und fein.

    Dass ihr mit der Tour besonders glücklich warst, das kann ich nachvollziehen. Wir hatten dieses Glück zweimal, die einzigen zu beglückenden Touris zu sein. Man erfährt noch einmal mehr.

    Danke für deine schöne Tour. Ich hoffe, du kannst noch lange davon zehren. Gerade und besonders jetzt in deiner ‚Betreuungsphase‘ (von der ich weiß, dass du auch das in gewohnter Sieglinde-Manier erledigst)

    Alles Liebe
    Nicole

    1. Dann kennst Du da auch liebe Nicole, die einzigen zu sein. Wir hatten es auch schon mal bei einer Eat the World Tour und waren der vollsten Aufmerksamkeit der Händler gewiss. War auch ganz toll! Ich finde es wunderbar, dass alle Touren durchgeführt werden, auch wenn es nur wenige Teilnehmende sind.
      Ja, wir hatten eine super Zeit in München mit allem!
      Schön, dass Du Dich so mitfreust, das macht doch gleich nochmals froh!
      Herzlich,
      Sieglinde

  5. Das ist mir jetzt schon fast peinlich, wenn eine Nürnbergerin der Münchnerin über Kunstausstellungen in ihrer Stadt berichtet, von denen ich keine Ahnung hatte… z.B. die „Flowers forever“-Ausstellung. Hüstel. :-))) Immerhin war ich schon in den Pinakotheken… Das klingt alles wunderbar und ich freu mich für dich, dass Ihr so schöne Tage in München hattet, noch dazu während des Streiks! Zum Glück lässt sich in der Stadt alles einigermaßen gut zu Fuß erreichen. Die Führung durch die Galerien der Maxvorstadt hört sich auch echt gut an und ich weiß ja inzwischen, wie wichtig dir Kunst ist, also kann ich mir gut vorstellen, dass du es genossen hast! Schön, dass du den Nürnberger Albrecht Dürer besucht hast! Der hinge vielleicht lieber in seiner ehemaligen Heimatstadt… ?? Ich wusste gar nicht, dass er und seine Frau solche Vermarktungsstrategen waren!
    Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag! Maren

    1. Ja, die Dürers hatten schon ein echtes Marketing, liebe Maren. Sein Logo war eine tolle Innovation und die Fortschritte beim Drucken haben es möglich gemacht, viele seiner Arbeiten zu vervielfältigen und sozusagen erschwinglich zu machen. Luther hat ja ebenso vom Erfolg des Druckes profitiert und konnte so seine Schriften im wahrsten Sinne des Wortes unters Volk bringen.
      Die Blumen-Ausstellung musst Du Dir ansehen. Wirklich spannend.
      Den Streik der Tram hätten wir jetzt nicht wirklich gebraucht. Meine Füsse und ich haben etwas gelitten, aber die Kunst hat alles wieder wettgemacht.
      Herzlich, Sieglinde

  6. Das sieht interessant und spannend aus liebe Sieglinde. Einen Guide für sich ganz allein zu haben ist nochmal interessanter und mit Sicherheit intensiver als in einer größeren Gruppe.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Das macht auf jeden Fall viel Spaß, denn man kann ja auch alles fragen und bekommt – auf fast – alles eine Antwort. Uns hat das total gefallen.
      Wobei eine Gruppe auch interessant sein kann. Da gibt es ja dann oft Fragen, die einem selbst gar nicht einfallen…
      In Hamburg gibt es solche Touren auch, soweit ich weiß.
      Aber wie sagte unsere Guide immer so schön: „Gehen Sie einfach in eine Galerie und schauen Sie sich um. Das geht immer.“
      Das kannst Du auch bei Dir in Kiel machen. Ist auf jeden Fall mal ein schönes Programm, wenn man eh in der Stadt ist und seinen Bummel um einen Galeriebesuch erweitern kann. Vielleicht hast Du mal Lust dazu?
      Herzliche Grüße
      Sieglinde

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