Wir gehen in die Oper…

In Nürnberg haben wir ein schönes Jugendstil-Opernhaus von 1905, das aber leider renovierungsbedürftig ist. Daher kann man nur noch ein paar Jahre mitten in der Stadt in die Oper gehen. Es wird andernorts eine Interimsoper gebaut, die dann solange bespielt werden wird, bis das alte Haus renoviert ist.
Dieser Neubau ist spektakulär und ich werde ihn zu einer anderen Gelegenheit vorstellen.
Heute aber gehen wir in die altangestammte Oper am Richard-Wagner-Platz. Sie ist seit einiger Zeit bayerisches Staatstheater, das auch noch das Schauspielhaus und die Kammerspiele umfasst.
Ca. 6 mal im Jahr gehen wir in eine Vorstellung. Ein Abonnement haben wir nicht, wir suchen uns gern selbst aus, was wir wirklich sehen wollen.
Ein Opernbesuch ist ja nichts alltägliches und auch nicht unbedingt preiswert. Jedenfalls dann, wenn man wie wir gern unten in der Mitte der 4. Reihe sitzt.

Kürzlich aber waren wir mal ganz oben im 2. Rang gesessen, was eine sehr ungewohnte steile Perspektive war und auch das Treppenhaus im Jugendstil war für uns neu.
Wir waren zur Vorstellung der neuen Ballettsaison im Opernhaus und es gab keine anderen Plätze mehr. Dafür waren die aber ein Schnäppchen zu je 6,– €. So günstig waren wir noch nie da… 🙂

Es gibt im Opernhaus nämlich nicht nur Opern, sondern auch Ballett, was hochklassig ist, und die Staatsphilharmonie Nürnberg spielt auch hervorragende Konzerte. Vor einiger Zeit noch mit unserer Lieblingsdirigentin Joana Mallwitz, die nun das Konzerthausorchester Berlin als Chefdirigentin leitet. Wir haben die Konzerte mit ihr geliebt. Ihr Nachfolger ist auch sehr gut, aber Joana Mallwitz hatte echten Glow.

Typisch fränkisch ist, dass sich die Menschen nicht wirklich extravagant für die Oper anziehen. Man sieht kaum ein wirkliches Abendkleid. Das fällt dann schon auf. Leider fallen aber mir auch Menschen in Jeans und Pullover dort auf.
Da wir meist mit dem Fahrrad zur Oper fahren, ist unsere Kleidung angemessen, aber radtauglich.

Abendkleid kommt also auch bei mir nicht in Frage, sondern es sind schwarze Hosen mit Oberteil. Heute trage ich einen Blazer und meine schwarze Straußenfederbrosche von da sempre und mein schwarzes Samttäschchen mit Straußenfedern. Dieses habe ich schon viele Jahre und liebe es immer noch.

Und jetzt gehts los… mit dem Rad zur Oper und dann hinein…. die Vorfreude und Spannung steigen…

Wir beginnen einen Opernabend immer mit der Einführung im Gluck-Saal. Der stellvertretende Operndirektor erklärt die historischen Zusammenhänge des Werkes, die wichtigsten Informationen zum Stück und zur Regie. Das hilft sehr zum Verständnis mancher Szenen und Figuren. Die Einführung dauert knapp eine halbe Stunde und ist im Stehen. Daher ist es dann schön, wenn man Platz nehmen darf im großen Saal. Wir sitzen gern in der 4. Reihe. Nah am Orchester und Dirigenten, aber nicht dauernd dadurch abgelenkt.


Von der Aufführung darf man leider keine Fotos machen. Daher bleibt der Vorhang für Sie geschlossen, während wir die Oper La finta giardiniera (deutsch: Die verstellte Gärtnerin oder Die Gärtnerin aus Liebe) vom jungen Mozart genießen. Mit 19 Jahren hat er sie komponiert und das war schon seine 5. Oper in diesem Alter. Sie ist eine frühe Form seiner späteren Werke und wirklich sehr hörenswert.

Brigitte Fassbaender, die weltberühmte Mezzo-Sopranistin und anerkannte Opern-Regisseurin, hat sie inszeniert. Sie hat Teile ihrer Jugend in Nürnberg verbracht, weil ihr Vater als Sänger an genau diesem Opernhaus hier in Nürnberg war. Am hiesigen Konservatorium hat sie studiert. Nun, mit 87, wollte sie hier nochmals Opernluft schnuppern, was sie schon als Teenager damals so gern gemacht hat.
Frauen als Regisseurinnen bei der Oper, das gibt es nicht so häufig, daher haben wir uns besonders gefreut. Meiner Meinung nach gibt es dabei auch einen anderen Blick auf die ProtagonistInnen und den Plot, der ja bei Opern oft von Gewalt durchzogen ist.
Dieses Mal von eifersüchtiger, männlicher Gewalt und sogar dem vermeintlichen Totschlag des Grafen an seiner Verlobten. Ein überaus aktuelles Thema, das Brigitte Fassbaender mit eindeutiger Symbolik behandelt hat. Im Libretto selbst, das von 1775 stammt, war die Lösung wesentlich konservativer.
Wir waren von der Inszenierung von Brigitte Fassbaender begeistert, von den Sängerinnen und Sängern ebenso und auch das Orchester hat Mozarts Musik mit Eleganz und Ausdruck gespielt.
Leider wie gesagt, gibt es davon hier keine Fotos.

Was aber ist in der Oper neben der Bühnenaufführung auch sehr wichtig?
Natürlich die Pause! Sie dauert meist 25 Minuten.
Wir lieben sie und bestellen immer gleich beim Kartenkauf online feine Häppchen und Getränke an einem Steh-Tisch im großen Gluck-Saal mit, der das Herzstück der Oper ist. Dort ist immer eine wunderbare Atmosphäre und es ist erfrischend mit Speis und Trank und angeregten Gesprächen.
Schließlich sind wir schon seit der Einführung um 19 Uhr da und nun ist es fast 21 Uhr…


Nach der Pause kommt ja oft der Höhepunkt der Oper und die Auflösung der Geschichte. Das war auch dieses Mal so und wir waren gebannt von dem Geschehen auf der Bühne.


Jetzt ist der Vorhang wieder gefallen und die Aufführung mit großem Applaus zu Ende gegangen. Es gab einige „Vorhänge“.
Nun radeln wir ca. 20 Minuten heim. Erfüllt, beglückt und abgekühlt von den frischen nächtlichen Temperaturen am Rad. Daheim gibts dann noch einen Prosecco und eine ausführliche Nachlese des wunderbaren Abends…

Schön, dass Sie mit uns in der Oper waren. Wir hoffen, Ihnen hat es gefallen.

Herzlich grüßen Sie
Ihre
Sieglinde Graf und Herbert Gschwandtner

Fotos: Herbert Gschwandtner und Sieglinde Graf

18 Antworten auf „Wir gehen in die Oper…“

  1. Guten Morgen, das ist ein schöner Beitrag, der mir Erinnerungen schenkt, an schöne Theaterbesuche. Sehr schön das Opernhaus von Nürnberg. Man kann mittlerweile online schon Häppchen und Getränke vorbestellen? Das ist sicher sehr praktisch.☺️
    Unser Nationaltheater wird auch renoviert. Zum Glück, denn die Kultur muss auch in Mannheim bewahrt werden.
    Mir gefällt der Look mit Straußenfederbrosche sehr.
    Ich wünsche ein wunderschönes Wochenende, herzliche Grüße Tina

    1. Guten Morgen liebe Tina,
      wie schön, dass ich Erinnerungen weckte. Theaterbesuche sind einfach Highlights im Leben und das Mannheimer Nationaltheater hat solch eine große Tradtition, das muss auf jeden Fall bewahrt werden.
      Ja, das mit dem online Vorbestellen für die Pause ist genial und wir stehen nirgends an in dieser kostbaren Zeit, sondern finden einen gedeckten Tisch vor. Es freut mich, dass Dir mein Straußenfederbroschen-Look gefällt, ich habe mich auch sehr wohlgefühlt damit.
      Ein feines Wochenende wünsche ich Dir ebenfalls herzlich,
      Sieglinde

  2. Du siehst toll aus liebe Sieglinde. Ein richtig schickes Outfit. Mir geht es übrigens ähnlich. Zu bestimmten Anlässen trage ich lieber einen Hosenanzug. Kleider und Röcke gibt es bei mir nicht.

    Das Opernhaus ist einfach nur schön. Wobei eine Sanierung dem Gebäude sicherlich gut tun wird. Es soll ja noch lange dort stehen.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Danke liebe Sabine für das nette Kompliment. Ja, das ist so eine Ausgehkleidung, in der ich mich wohlfühle.
      Noch dazu mit dem Rad…
      Ich liebe das Opernhaus auch und hoffe, dass das Interimsopernhaus auch wirklich interim bleibt, obwohl es auch sehr interessant ist.
      Das werde ich bei Gelegenheit berichten.
      Herzlich,
      Sieglinde

  3. Ein schönes altes Theater ist das! Dein Outfit gefällt mir sehr für den Anlass. Ich sitze auch gerne weit vorne, am liebsten mit Blick in den Orchestergraben. Die Ablenkung mag ich. Eine Einführung zu bekommen, macht den Abend noch runder.

    In Hamburg zieht die Oper im Sommer in ein Zirkuszelt auf der Trabrennbahn für eine kurze Renovierungszeit. Ist auch mal was anderes.

    1. Das ist ja mal toll, in ein Zirkuszelt! Leider dauert unsere Renovierung einige Jahre…
      Ja, ganz vorn sitzen hat was, aber wir mögen es dann doch lieber ein wenig weiter hinten aus unserer Erfahrung heraus.
      Die Einführung ist immer echt super.
      Schön, dass Dir mein Outfit gefällt für den Anlass. Ich mag es auch gern.
      Herzlich
      Sieglinde

  4. Ahhh, liebe Sieglinde, ich bin gerade ganz beseelt mit euch aus der Oper „nach Hause geradelt“ – was für ein herrlicher Beitrag! Allein diese Mischung aus Vorfreude, Fahrradfahrt, Jugendstil-Flair und dann dieser besondere Abend… das hat so eine schöne, fast filmische Stimmung.
    Dein Outfit klingt übrigens genau nach meinem Geschmack – elegant, aber alltagstauglich. Und die Straußenfederbrosche stelle ich mir wunderschön vor… so ein kleines Statement-Piece mit Sieglinde-Persönlichkeit. Sooo chic!
    Besonders interessant fand ich auch deine Gedanken zur Inszenierung und zu weiblichen Perspektiven in der Oper. Das liest man nicht oft!
    Und ja… die Pause! Gehört einfach dazu, nicht wahr? Ich hätte mich ebenfalls für einen Aperol und eine Brezel entschieden.
    Danke, dass du uns mitgenommen hast – ich hatte wirklich das Gefühl, dabei gewesen zu sein.
    Gruß & Kuss, ein schönes Wochenende,
    Claudia

    1. Sehr gern war ich mit Dir zusammen in der Oper, liebe Claudia.
      Es freut mich sehr, dass es Dir so gut gefallen hat. Ja, wir lieben es in die Oper zu radeln…
      Und Aperol und Breze sind einfach göttlich in der Pause.
      Die Straußenfederbrosche wäre auch ganz Deins… Ein kleines Accessoires mit feiner Wirkung.
      Also, bis zum nächsten Mal in der Oper!
      Herzlich,
      Sieglinde

  5. Was für schöne Fotos. Sehr interessant die Nürnberger Oper zu sehen.
    Dein Outfit ist toll, der schicke Blazer steht dir hervorragend.

    Ins Ballett gehe ich auch sehr gerne.

    Liebe Grüße

    1. Gegen die Wiener Oper sind wir natürlich Provinz, aber mir gefällt unsere Oper auch sehr.
      Das freut mich aber, dass Du den Blazer schön findest.
      Ballett ist bei uns etwas zu kurz gekommen in letzter Zeit, doch wir werden den Ballett-Spielplan wieder aufmerksamer betrachten.
      Liebe Grüße auch zu Dir,
      Sieglinde

  6. Sehr schön und festlich siehst du aus, liebe Sieglinde. Mir gefällt es, dass du den perfekten Mittelweg zwischen festlich und fahrradtauglich gefunden hast. Die Straußenfedern sehen toll aus in der Kombi mit dem glänzenden Blazer. Ich glaub ich war sogar schon mal in der Nürnberger Oper, lang ist’s her, und damals als Studentin trug ich auch nichts Besonderes. Ich glaub, die 90er waren ein wenig „schuld“ am „Verfall der festlichen Kleidung“ oder trugen dazu bei… aber ich finde es schön, sich für besondere Anlässe besonders zu kleiden.
    Die Jugendstildetails sind bezaubernd (das Treppenhaus!), und ich finde deine Beschreibung des ganzen Abend, samt würdigem Abschluss, sehr gelungen.
    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende,
    Maren

    1. Das ist aber schön, dass Du schon mal in der Oper hier warst. Es gibt bei uns die Schulplatzmiete, damit SchülerInnen sehr günstig in die Oper und das Schauspielhaus gehen können. Für Studis gibts auch sehr günstige Preise. Ich freue mich über alle Jungen, denn das Publikum sonst ist ja eher älter bis alt.
      Ja, die festliche Kleidung…. aber wann hat frau schon mal die Gelegenheit sich etwas rauszuputzen?
      Daher bin ich immer froh, wenn ich das passende für mich finde.
      Ein erholsames und sonnig-schönes Wochenende wünsche ich Dir auch sehr herzlich,
      Sieglinde

  7. Ich liebe alles an deinem Beitrag, deine Begeisterung, die ich in jedem Buchstaben sehe, dein Outfit, euren Genuss in der Pause, die wunderschöne Oper und dass es euch gefallen hat.

    Bei Gluck_Saal habe ich kurz gedacht, ihr trinkt vor der Vorstellung noch etwas

    Liebe Grüße und viele weitere schöne Aufführungen in Reihe 4
    Nicole

    1. Welche Gedanken der Gluck-Saal aufkommen lässt, hätte ich mir nicht träumen lassen. Und der Komponist Ritter von Gluck wohl auch nicht… 🙂
      Es freut mich sehr, dass Du gern diesen Post gelesen hast. Ja, wir gehen gern in die Oper – und in den Gluck-Saal und in Reihe 4 auch…
      Schön, dass Du dabei warst, liebe Nicole.
      Herzlich,
      Sieglinde

    1. Dein Blick für alte Gemäuer ist ja sehr fein und ausgeprägt, liebe Romy, wenn ich da an Deine Lost Places denke.
      Soweit sind wir hier zum Glück noch nicht.
      Wenn Du dann aber erstmal in der Oper bist und die Musik fängt an und die SängerInnen, dann würde er sicher auch zu Bühne gehen.:-)
      Wo ist bei Dir die nächste Oper?
      Herzlich,
      Sieglinde

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