Bardentreffen: seit 50 Jahren Weltmusik in Nürnberg

Seit 50 Jahren gibt es das Bardentreffen. Eigentlich war es zum 400. Todeststag von Meistersinger Hans-Sachs in Nürnberg erfunden worden. Worte, die zu Musik wurden.

Ich habe fast kein Bardentreffen versäumt. Immer war ich dort, wenn auch manchmal nur kurz, wie z.B. am letzten Samstag. Die Hitze war erträglich und wir wollten einfach die Atmosphäre spüren. Jung und alt, konservativ und hip, arm und reich – alle sind dort.
Das Festival ist mitten in der Altstadt und es heißt auch: Umsonst und draußen.
Stühle gibt es nirgends: man steht, lagert und sitzt auf dem Boden, sitzt auf Stufen oder Denkmälern oder bringt sich einen kleinen Klappstuhl mit und vor allem gute Laune!


Die Musik spielt auf 8 großen Bühnen, wie auf dem Hauptmarkt und bei der Sebalduskirche, auf der Insel Schütt, im Katharinenkloster usw. und sie spielt auf vielen kleinen Nebenschauplätzen, wo sich Musikanten hinstellen und ihr Ding machen. Publikum findet sich überall.
Jede Bühne hat ihre ganz eigene Ausstrahlung und Charakter im Umfeld der Stadt, das macht das Festival so einzigartig. Die Bands sind immer begeistert dabei sein zu dürfen und im Laufe der Tage spielen manche auch auf unterschiedlichen Bühnen. Es gibt ein ausführliches Programm zur Orientierung. Auch über die Anfangszeiten…. die sind jedoch oft eher mit Großzügigkeit zu sehen, denn wenn die Band vorher begeistert gefeiert wird, kommt es schon mal zu längeren Spielzeiten und Zugaben und die nächste Band spielt später. Aber beim Bardentreffen ist das Dabeisein alles!

Rund 200 000 Menschen sind unterwegs an diesem Wochenende und genießen das Spektakel mitten in der historischen Altstadt. Es wird mitgesungen, getanzt und gegessen. Unzählige Food-Stände bereichern dieses Weltmusik-Festival mit Essen aus aller Welt. Auch das gehört dazu und ist immer ein Erlebnis.

Mitten auf dem Pflaster wird gesessen und gegessen.
Noch eine halbe Stunde bis die nächste Band hier auf der Hauptbühne spielt…


Dann füllt sich der Platz schnell und die Vorbereitungen und der Soundcheck der Band sind beendet.

Die junge Brasilianerin Mari Froes legt mit ihrer Band los. Jazziger Samba geht in die Ohren und die Beine. Tausende wiegen sich im Takt oder tanzen vor der Bühne auf dem nun übervollen Hauptmarkt. Wir haben einen Platz auf einer erhöhten Treppe etwas weiter weg, daher sind die Fotos nicht so gut in der Qualität und ein paar störende Aufbauten mussten wir auch wegretouchieren. Doch ich hoffe, die gute Stimmung wird durch die Fotos deutlich.

Für Kinder gibt es immer eine Bühne auf der Insel Schütt, wo Musik für Kinder zu hören ist, und auch Musik-Clowns spielen und sie fröhlich mittanzen können. Dieses Mal waren wir nicht da, aber die Enkelkinder waren mit ihren Eltern dort unterwegs und hatten ihren Spaß.
Es ist einfach überall viel los und alles friedlich und gut gelaunt.

Und wenn, es einem dann genug ist und man sich auskennt in der Stadt, kann man nur 100 m entfernt vom Getümmel fast ganz allein dem Heimweg antreten…

Das Bardentreffen ist eine Institution, die jung und alt gleichermaßen lieben. Es ist ein Angebot der Stadt Nürnberg an ihre BürgerInnen. Doch nun ist etwas eingetreten, das auch das Bardentreffen bedroht.

Der Rat der Stadt Nürnberg hat eine sofortige Haushaltssperre verfügt. Das bedeutet, dass alle Ausgaben auf den Prüfstand gebracht werden müssen. Das Defizit der Stadt ist einfach zu hoch.

Leider steht zu befürchten, dass nun an der Kultur gespart werden wird. Das wäre fatal, da die Wirkung des Bardentreffens und auch der beiden kostenlosen hervorragenden Klassik OpenAirs (mit jeweils ca. 80 000 Besuchern im Park mit die größten Europas) auf die Stadtgesellschaft enorm sind. Sie formen den Charakter unserer Stadt und sie bringen die Menschen zusammen.

Ich jedenfalls möchte nächstes Jahr zum 51. Bardentreffen gehen können. Gern bezahle ich etwas dafür! Crowdfunding macht es hoffentlich möglich…

Wir hoffen, Sie sind gern mit uns über das Bardentreffen geschlendert. Und nächstes Jahr vielleicht sehen wir uns dort mal persönlich… es ist immer Ende Juli/Anfang August. Sie sind herzlich willkommen!

Herzlich grüßen Sie
Ihre
Sieglinde Graf und Herbert Gschwandtner aus dem schönen Nürnberg

Fotos: Sieglinde Graf

16 Antworten auf „Bardentreffen: seit 50 Jahren Weltmusik in Nürnberg“

  1. Ich liebe es immer wieder, mit welcher Lebensfreude du uns auf deine besonderen Aktivitäten mitnimmst. Ds Bardentreffen klingt nach einem schönen Erlebnis für alle und ihr zwei seht so glücklich aus.
    Hast du beim Samba geschwungen?
    Ich freue mich, mit dir geschlendert zu sein.

    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Beim Samba habe ich nur gewippt, denn es waren hinter mir viele Menschen auf der Treppe… :-))
      Das Bardentreffen gehört zu meinem Leben praktisch dazu – seit 50 Jahren. Wir lieben es und waren so froh, dass die Hitze am Samstag nur heiß war bei 30 Grad und nicht überheiß wie viele Tage sonst in diesem Sommer. Da hätten wir nicht hingehen können.
      Schön, dass Du gern dabei warst!<3
      Herzlich,
      Sieglinde

  2. Ja, gemeinsam Feiern tut mehr für den Zusammenhalt als immer nur arbeiten, arbeiten, arbeiten. Wenn das unsere Regierung mal kapieren würde. In den vergangenen Jahrhunderten war das üblicher…
    Schön, dass ihr dort sein konntet!
    lich
    Astrid

    1. Da bin ich ganz Deiner Meinung, liebe Astrid. Leider kapiert sie wirklich nichts…
      Wir waren auch sehr froh darüber, denn das Wetter hätte uns sonst tatsächlich abgehalten.
      Aber hat ja geklappt!
      Herzlichst,
      Sieglinde

  3. Das sieht toll aus und besonders gut finde ich, dass es ein Fest für alle ist.

    Ich hatte am Ende bei dem Schwenk nicht auf die Finanzierung getippt, sondern auf das Sicherheitskonzept. Es gibt ja leider Menschen in Deutschland, die anderen einen unbeschwerten Besuch einer solchen Veranstaltung mit vielen Menschen und allerlei anderer Vielfalt zerstören wollen. Der ganze Bereich ist wohl unmöglich abzusperren, oder?

    Hoffentlich könnt ihr das Fest 2027 wieder so unbeschwert genießen.

    Ein schönes Wochenende wünscht euch
    Ines

    1. Ja, ein Fest für 230 000 Menschen war das in diesem Jahr. Und ich hoffe schwer, dass es nächstes Jahr wieder stattfindet.
      Das Sicherheitskonzept scheint mir grundsätzlich gut zu sein. Tatsächlich sind einzelne Bereiche im Übergang zueinander mit massiven Sperren für Autos und mit dezenter Polizeipräsenz versehen. Das geht bei uns in der Altstadt gut, weil es insgesamt kleinteilig ist. Ich habe mich jedenfalls sehr sicher gefühlt.
      Es ist einfach immer wieder ein Ereignis!
      Ein schönes Wochenende wünsche ich Dir herzlich,
      Sieglinde

  4. was für ein wunderbarer Einblick in 50 Jahre Bardentreffen! Man spürt beim Lesen sofort, wie sehr dieses Festival zu deinem Leben gehört und wie viel Lebensfreude dort jedes Jahr in den Nürnberger Gassen steckt. Musik, Menschen, gutes Essen und einfach gemeinsam draußen sein – sooooo schööön. Das wäre auch etwas für uns. Ganz klein wenig erinnert es mich an die Musik auf Mittelaltermärkten, die wir immer begeistert gehört haben.
    Deine Bilder haben die Atmosphäre so schön eingefangen, dass man fast das Gefühl bekommt, selbst zwischen den Bühnen und auf dem Pflaster zu sitzen.
    Ich drücke ganz fest die Daumen, dass es auch ein 51. Bardentreffen geben wird. So eine wunderbare Tradition darf einfach nicht dem Rotstift zum Opfer fallen!
    Danke fürs Mitnehmen, liebe Sieglinde – ich bin sehr gern ein Stück mit euch durch Nürnberg geschlendert.
    Ich wünsche ein wunderschönes Wochenende, herzliche Grüße Tina

    1. Liebe Tina, sehr gern habe ich Dich mitgenommen. Es hätte Euch gefallen, da bin ich sicher!
      230 000 Menschen waren dabei in diesem Jubiläumsjahr. Und alles friedlich und freundlich.
      Ja, ich bin sehr gespannt, an welchem – falschen – Ende nun gespart wird.
      Kinder und Kunst ja gerne zuerst. Zumindest macht es der Bund so vor.
      Ein echt trauriges Kapitel.
      Dagegen wünsche ich Dir ein wunderschönes Wochenende, nicht zu heiß, sondern genau richtig!
      Herzlich,
      Sieglinde

  5. Ein wunderschönes Fest der Musik. Du hast es so gut beschrieben, die Stimmung ist fast spürbar.
    Hoffentlich wird nicht am Bardentreffen gespart, es wäre falsch das zu tun. Möge es bitte weiterhin jeden Sommer stattfinden.

    Liebe Grüße

    1. Danke, dass Du es auch falsch findest, dort zu sparen und es ein wunderschönes Fest findest. <3
      Möge das unser Stadtrat genauso sehen! Die Politik in unserem Land ist leider generell derzeit zu kurzsichtig.
      Herzliche Grüße
      Sieglinde

  6. Was für ein schönes Fest! ❤️ Musik, Menschen, Essen, gute Laune, genau solche Veranstaltungen machen eine Stadt doch lebendig, nicht wahr? Einfach toll! Und 200.000 Menschen, die friedlich zusammen feiern, tanzen und Musik genießen – das ist schon eine Hausnummer! Mari Froes mit ihrem jazzigen Samba hätte mir übrigens auch natürlich ausgesprochen gut gefallen – da wären meine Füße wahrscheinlich ganz automatisch mitgewippt.
    Umso trauriger ist natürlich der Gedanke, dass ausgerechnet bei solchen kulturellen Veranstaltungen der Rotstift angesetzt werden könnte. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass das Bardentreffen auch sein 51. Jubiläum feiern darf.
    Danke, dass du uns mitgenommen hast. Und wer weiß … vielleicht klappt es ja tatsächlich irgendwann mit einem persönlichen Treffen in Nürnberg beim Bardentreffen! Das wäre doch was. ❤️
    Liebe Grüße & Kuss,
    Claudia

    1. Ja, das wär was, liebe Claudia! Mari Froes hätte Dir super gefallen.
      Ich bin auch immer ganz beglückt, dass so viele Menschen so friedlich feiern können.
      Die Musik ist auch da einfach ein guter Weg-Begleiter, denn sie kommt aus der ganzen Welt, so wie die Menschen auch.
      Ich freu mich, dass es Dir gefällt!
      Herzlich,
      Sieglinde

  7. Schade, dass auch bei der derzeitigen Bundes-Regierung dieser zynische „Ihr seid alle zu faul und arbeitet zu wenig“-Unterton mitschwingt… und dann wird überall an Kultur gespart. Dabei sind es doch die Feste und die fröhliche Ausgelassenheit, die Menschen befähigen, weiterzumachen. Ohne Feiern keine Leistung, so ist nun mal der Mensch geprägt, was ihn von Robotern unterscheidet. Der Körper braucht Pausen und Erholung, die menschliche Seele verlangt nach Kunst, Musik, Kultur, ganz gleich, welcher Art.
    Danke fürs Mitnehmen auf das Bardentreffen – schöne Fotos, sie transportieren die Stimmung auf alle Fälle. Ich hoffe, dass es auch nächstes Jahr wieder stattfinden kann, denn sowas darf einfach nicht verlorengehen.
    Herzliche Grüße Maren

    1. Danke liebe Maren, ich sehe das genauso!
      Immerhin sind dieses Jahr 230 000 Menschen bei den Barden gewesen und das ist doch eine deutliche Abstimmung mit den Ohren und den Füßen.
      Schön, dass Du die Fotos gelungen fandest. Ich bin nicht so zufrieden. Wir waren einfach zu kurz dort, denn es war uns zu heiß.
      Leider vertragen wir Hitze einfach nicht mehr gut.
      Du bist ja derzeit in cooleren Gefilden, wie schön! Auf Deine Posts aus Helsinki freue ich mich schon!
      Herzlich,
      Sieglinde

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