Frauenpower im Textilatelier von Heidi Drahota.

Immer mal wieder besuchen einige Freundinnen und ich bildende Künstlerinnen in ihren Ateliers. Wir waren schon bei Malerinnen,  Bildhauerinnen, Objektkünstlerinnen usw.  Es ist jedes Mal sehr interessant, was die Frauen erzählen über sich, ihre Kunst und das Leben, das sie dadurch führen.
Natürlich möchten sie auch Werbung für ihre Werke machen und manchmal auch etwas verkaufen. Große Werke kann ich leider selten kaufen, aber Kleinigkeiten schon. Das war letzthin der Fall, als wir bei der Künstlerin Heidi Drahota zu Gast waren (die aparten Filz-Broschen sehen Sie hier weiter unten).
Seit 10 Jahren hat sie ihren Werkraum für Textiles und das ist schon eine Zeit im Kunstbetrieb.
Ihr Atelier im Rückgebäude ist geräumig und bietet  einiges an Platz und sie kann dort auch Kurse z.B. in Filzen halten.

Heidi Drahota erzählt über ihre Arbeit

Auch wenn Vieles in ihrem Atelier kunsthandwerklich und sogar verspielt erscheint, so ist sie im Grundsatz eine feministische und politische Künstlerin. Ursprünglich kommt sie von der Malerei her und man sollte sich nicht täuschen lassen davon, dass sie nun strickt, stickt und filzt. Alles so hübsch weibliche Handarbeiten, die leicht unterschätzt werden. Doch sie können politische Aussagen beinhalten, die betroffen machen.
So ist ein Wandteppich von ihr mit dem genähten Umriß des Eingangs des KZ Auschwitz und – wie es scheint  – darauf willkürlichen Stickereien. Wenn man ihn umdreht erkennt man viele Namen genäht. Alles Menschen aus Nürnberg, die durch die Nazis umgebracht wurden.
Von wegen gemütliche Handarbeiten.
Sie ist Mitglied in deutschen Organisationen, dem Filznetzwerk und der Patchworkgilde, aber auch in internationalen Quiltorganisationen und macht Art-Quilts mit Aussage.
(Meine Nichte, Sabrina Gschwandtner, lebt in Los Angeles und ist ebenfalls in diesem Metier unterwegs. Sie quiltet allerdings inzwischen mit alten Filmstreifen, aber begonnen hat sie mit Stricken als Kunstform. Ihre Werke waren mittlerweile in einigen Museen weltweit zu sehen. Soweit zum Thema: „weibliche“ Handarbeiten und was sich daraus entwickeln kann…)

Auch Heidi Drahota wurde zu internationalen Ausstellungen eingeladen und sie sollte in Israel unterrichten. Derzeit werden einige ihrer Arbeiten in den USA in international jurierten Ausstellungen gezeigt. Doch dann kam Corona…
Bis sich die Kunstszene davon erholt, wird noch einige Zeit vergehen. Die Einbußen waren hoch und kosten manche die Existenz.
In diesen Zeiten von Corona wollte Heidi Drahota  etwas eher Gemütvolles für sich und andere gestalten.
Sie „deckte Tische“ und stattete quasi eine Metzgerei und Bäckerei aus… und sie stellte dort auch tatsächlich aus!
Nicht mit echter Ware, aber mit echt aussehender.  Alles gestrickt, gehäkelt, gefilzt oder genäht…

Verblüffend, nicht? Man möchte gleich zugreifen.

Zu gemütvoll darf es dann aber auch nicht werden. Sie setzt diese Arbeiten in Beziehung zum Hunger in der Welt und schafft einen spannenden Gegensatz zum Netten. Politische Aussagen und Stellungnahmen zu gesellschaftlich relevanten Themen sind ihr wichtig.
Zu 100 Jahre Frauenwahlrecht gestaltete sie in 2019 einen Wandbehang, indem sie sich vornahm 30 Tage lang jeden Tag einen Nachrichtenimpuls aus der Zeitung zu finden und künstlerisch in einen Art-Quilt umzusetzen, der schon in England ausgestellt war.

Heidi Drahota „schreibt“ freihändig auf der Nähmaschine. Das schaut echt wie handgeschrieben aus und ist sehr überraschend.

Sie fertigt auch aparte Kleinigkeiten für Frauen, wie Taschen oder diese Ansteckbroschen/Buttons. Sie sind mit Filz überzogen und ca. 5cm groß. Der Filz macht sie sehr präsent und natürlich sind es alles Einzelstücke.

Diese feinen Broschen können Sie bei da sempre kaufen und unterstützen damit die Künstlerin. Auf jeden Fall sind sie immer ein Hingucker und ganz leicht, daher auch für dünne Stoffe geeignet.

Vielleicht haben Sie nun auch Lust bekommen, sich mal in einem Atelier einer Künstlerin umzusehen in ihrer Stadt. Ich mache das meist mit einigen Freundinnen zusammen. Von Kalligrafie, darüber habe ich schon einmal hier im Blog berichtet, über Malerei, Fotografie, Textilem und Bildhauerei, es gibt nichts, was Künstlerinnen nicht erschaffen.
Viele von ihnen sind derzeit froh, wenn sie nach dem langen Lockdown ihre Werke zeigen können und vielleicht auch etwas verkaufen, denn sie leben meistens von ihrer Arbeit.
Im Kunstbetrieb ist es ja leider immer noch so, dass Künstlerinnen preislich meist niedriger bewertet werden und viele noch ein zweites Standbein haben müssen. Bei Heidi Drahota sind es die Kurse.  Durch Corona war nun Vieles nicht möglich, umso wichtiger ist es, dass wir Künstlerinnen unterstützen.
Interesse an Künstlerinnen, Besuche in ihren Ateliers, und vielleicht auch ein Einkauf dort können dazu beitragen.
Den größten Gewinn aber werden Sie selbst haben, denn Sie gehen inspiriert und mit neuen Gedanken und Eindrücken nach Hause.

Herzlich grüßt Sie
Sieglinde Graf

Fotos: Sieglinde Graf, Kunst von Heidi Drahota mit freundlicher Genehmigung zum Abdruck

14 Antworten auf „Frauenpower im Textilatelier von Heidi Drahota.“

    1. Hallo Ines,
      ja, in ihren Quilts steckt viel mehr als nur gutes Handwerk. Mich hat dies auch sehr beeindruckt.
      Weltweit sind Frauen damit auch politisch tätig und haben eine ganz besondere Ausdrucksform für sich gefunden.
      Es freut mich, dass Dir der Besuch im Atelier von Heidi Drahota gefallen hat.
      Herzlich, Sieglinde

  1. Die Künstlerin, die Du vorstellst, beeindruckt mich sehr! Aber auch das, was Du über die Möglichkeiten der „weiblichen“ Handarbeiten berichtest, z.B. von Deiner Nichte in L.A. Toll, was man alles machen kann – und wie Du schon schreibst, es kommt so harmlos und „frauentypisch“ daher – aber eigentlich ist es natürlich Kunst! Es kommt halt auch immer drauf an, was man mit dem Material macht. Dass es eine „internationale Quiltorganisation“ gibt, wusste ich nicht. Quiltdecken gefallen mir eh, aber als Kunstwerk gestaltet (so wie auf dem Foto zum Thema „Frauenwahlrecht“) sieht es total klasse aus!
    Die Broschen sind wunderschön und auch genau mein „Lieblings-Farbschema“…
    Herzliche Grüße Maren

    1. Liebe Maren,
      die Kunst von Frau Drahota und sie als Person fand ich auch sehr beeindruckend. Textilkunst ist tatsächlich leicht in der Gefahr marginalisiert zu werden. Umso wichtiger ist es, dass sie den Gedanken „dahinter“ immer sehr deutlich werden lässt. Der Spagat von schönen Broschen zu „richtiger“ Kunst gelingt ihr jedenfalls sehr gut.
      Wenn Du morgen noch Zeit hast, musst Du im Haus der Kunst in die Ausstellung von Phyllida Barlow, einer Engländerin von 77 Jahren, gehen. Eine Bildhauerin, die auch viel mit Textil arbeitet und ausdrückt. Ganz riiiesig! Sie füllt die großen Hallen des Hauses der Kunst mit Leichtigkeit. Ich fand es eine großartige Ausstellung. Sie endet morgen.
      Schön, dass Du hier vorbeigeschaut hast und es Dir etwas gebracht hat.
      Herzlich, Sieglinde

  2. Oh so eine Metzgerei habe ich mal in der Schweiz entdeckt. Das war tolle Kunst. Ich weiß nicht ob Du den Post kennst. So viel Kreativität, schön dass Du davon berichtest Sieglinde. Ich finde es wunderbar dass es bei euch solche feinen Dinge zu erwerben gibt. Etwas mit Persönlichkeit.
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag, liebe Grüße Tina

    1. Liebe Tina,
      ja etwas mit Persönlichkeit, das hast Du sehr fein ausgedrückt. Genau das ist es!
      Den Schweizer Post kenne ich nicht. Aber Du kannst ihn gern hier noch verlinken.
      Herzlich, Sieglinde

        1. Danke für den Link zu Deinem Post, er wurde soeben mitverlinkt.
          Ist ja eine tolle Metzgerei und Strickerei von Madame Tricot.
          War bestimmt verblüffend, das zu sehen in einer echten Metzgerei.:-)
          Herzlich, Sieglinde

  3. Ja, Filzwerkstatt klingt nicht wirklich auch nur im Ansatz „politisch Motiviert“. Und dabei geht Kunst wie Musik oder Literatur immer mit Politik und Zeitgeist Hand in Hand.
    Die Stücke sehen wirklich toll aus. Und „freihändig“ mit der Nähmaschine schreiben klingt sehr interessant. Als Kind habe ich immer „Muster“ auf den Stoff genäht und bin in schneller Fahrt mit ausschweifenden Drehbewegungen mit der Maschine darüber gewirbelt. Nicht nur einmal hatte meine Mutter Angst, ich würde mir durch die Finger nähen.
    BG Sunny

    1. Hallo Sunny,
      Du kommst ja aus einem Haus mit viel textilem Schaffen. Das stell ich mir sehr schön vor.
      Ausschweifende Drehbewegungen, die macht Frau Drahota beim Schreiben tatsächlich. Gut, dass Deine und ihre Finger alle noch heil sind!
      Ich finde es auch imposant, welche Aussagen frau machen kann, einfach beim Nähen, Sticken oder Stricken…
      Liebe Grüße von Sieglinde

  4. Liebe Sieglinde,
    was für eine tolle Idee, die Künstlerin zu besuchen. Freihändig auf der Nähmaschine zu schreiben, das ist schon Kunst an sich, wenn man selber weiß, dass manches Mal auch eine gerade Naht eine Kunst sein kann.
    Danke für die tolle Vorstellung, ich finde Kreativität immer sehr bewundernswert und die gehäkelten Kunstwerke…
    Liebste Grüße und einen schönen Tag,
    Nicole

    1. Liebe Nicole,
      ich bin auch immer voller Bewunderung, was manche Menschen alles können. Und Künstlerinnen bewundere ich ganz besonders. Deshalb besuche ich sie auch so gern. Es lohnt sich immer sehr.
      Frau Drahota trifft bei mir einen besonderen Nerv, weil sie auch noch frauenbewegt ist und sich u.a. einsetzt für Frauen. Ihre Arbeiten fand ich sehr tiefgehend, gerade weil manches auf den ersten Blick gar nicht so wirkt.
      Es freut mich, dass Du gern „mit ins Atelier gegangen“ bist.
      Herzlich grüßt Dich Sieglinde

  5. Liebe Frau Graf,
    wie gesagt, ich sehe mich sehr gut dargestellt.
    Herzlichen Dank für die Kommentare. Ich würde mich freuen, wenn sich manch eine für meine Aktivitäten interessiert. Gerne nehme ich diese in meinen Verteiler auf.

    1. Liebe Frau Drahota,
      das freut mich sehr, dass Sie sich gut dargestellt fühlen.
      Meine Leserinnen kommen aus ganz Deutschland, aber Ihr Verteiler ist sicher eine gute Idee, wenn man weiterhin informiert bleiben möchte. Ich hoffe, es melden sich bei Ihnen Interessentinnen dafür. Ihre Website verlinke ich hier nochmals: https://www.heidi-drahota.de/
      Herzliche Grüße
      Sieglinde Graf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.