Kundin bei da sempre und Geschichtenerzählerin: Rea Schoen aus Berlin

Sie erinnern sich? Wir stellen in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder interessante Kundinnen von da sempre vor. Frauen, die etwas Außergewöhnliches machen und die unsere schönen Accessoires gern tragen.
(Am Ende des Beitrages finden Sie alle bereits erschienenen Blog-Beiträge über unsere interessanten Kundinnen).

Zum Weltgeschichtentag am 20.3.2022 stellen wir Ihnen eine Kundin vor, die Geschichtenerzählerin ist:  Rea Schoen aus Berlin.
Sie bezeichnet sich selbst als Erzählerin von GESCHICHTEN FÜR DIE KLEINE VERZAUBERUNG ZWISCHENDURCH.

Zusammen mit ihrem Partner August Hegedüs, der Fotograf ist, hat sie „Hoer-Schau“ erfunden. Das ist die kongeniale Verbindung von inspirierenden, frei erzählten Geschichten und großformatig, präsentierten, poetischen Fotografien.

Rea Schoen hat ebenfalls das Projekt MÄRCHEN ON DEMAND ins Leben gerufen:
Sie möchten eine Geschichte verschenken? Eine ganz persönliche? Rea Schoen erzählt die gewünschte Geschichte und sendet sie an den Empfänger als Audiodatei, versehen mit Ihrem persönlichen (Glück-) Wunsch. Jede erzählte (nicht vorgelesene!) Geschichte ist individuell.
Und wenn es ganz schnell gehen soll? Oder ein PC nicht vorhanden ist, z.B. während eines Krankenhausaufenthaltes oder in einem Seniorenheim? Dann erzählt Rea Schoen die Geschichte am Telefon.

Das ist eine ganz feine Sache finden wir, und dazu müssen Sie nicht in Berlin sein. Das können Sie von überall nach überall bestellen.

Natürlich haben wir auch Rea Schoen drei persönliche Fragen gestellt:

1. Wie wurden Sie Erzählerin?

Ich habe erst mit 52 Jahren mit meiner Arbeit am Theater angefangen. Vermutlich war ich die älteste Hospitantin, die je an einem deutschen Theater gearbeitet hat. Am Ende der Theaterpädagogin-Ausbildung lernte ich bei einer Veranstaltung Frau Prof. Wardetzky kennen, die „graue Eminenz der Erzählkunst in Deutschland“. Ich hörte sie, sah ihre Erzählerin auf der Bühne und mir blieb der Mund offen stehen vor Überraschung (übrigens glauben nach wie vor viele Menschen, dass Erzähler/innen vorlesen, statt frei zu erzählen).
Am Ende des Vortrags stupfte mein Mann mich in die Seite und sagte: „Mensch, Rea, das wäre doch auch was für dich“.  2010 gab es in Berlin vom Verein Erzählkunst, erstmals in Deutschland, eine Ausbildung zur Erzählerin (zwischenzeitlich gibt es auch einen universitären Studiengang). Die wollte ich unbedingt machen. Ich lebte damals im Allgäu und fuhr einmal im Monat nach Berlin zur Ausbildung. Nach 12 Monaten schloss ich die Ausbildung ab und tat erste Schritte als Erzählerin. Dann gab es ein paar Überraschungen (auch sehr unangenehme), als Folge davon zogen wir vom Allgäu nach Berlin, dem Hotspot des Erzählens in Deutschland. Das war sehr aufregend. Ich hatte das Glück, dass Suse Weiße, eine der renommiertesten Erzählerinnen (und eine meiner Ausbilderinnen) eine Gruppe in Potsdam hatte, der ich mich anschließen konnte.

So begann alles. Zunächst trat ich immer „im Schutz der Gruppe“ auf, denn das professionelle Erzählen zu lernen und mit Geschichten aufzutreten ist nicht so leicht. Es dauert ziemlich lange, bis man versiert ist. Und man lernt nicht aus. Selbst heute genehmige ich mir ab und zu ein Coaching, wenn ich bei einer Geschichte, die ich mir erarbeite, der Durchbruch nicht so gelingt, wie ich mir die Geschichte eigentlich vorstelle. Wir haben ja immer nur den Plot. Bis die Geschichte dann die eigene wird, dauert es längere Zeit und es braucht viele Male des Wiederholens vor Publikum. Viele erzählen z. B. die Bremer Stadtmusikanten. Die Frage lautet: warum erzähle ICH sie? Erst dann wird eine Geschichte die meine, im besten Falle: unverwechselbar die meine.

2. Was macht das mit Ihnen, wenn Sie Geschichten erzählen?

Ich, und vermutlich die meisten Erzähler/innen, erzähle nur, was mich anzieht. Diese Geschichten zu finden, nimmt einen großen zeitlichen Raum ein oder wie eine Kollegin es mal formulierte: „100 Geschichten lesen, eine finden“. Da dauert es dann geraume Zeit bis man ein gutes Repertoire hat.
Für mich persönlich ist das Erzählen auch ein „Erkenntnisweg“. Warum diese Geschichte, warum jetzt, warum diese (wirklich schöne) nicht? Nicht immer lässt sich das ergründen, aber oft. Durch die Art der Erzählens werde ich Teil der Geschichte, fast immer gibt es eine Person, mit der das Herz mitgeht, aus deren Perspektive erzähle ich. Aber ich wahre auch Distanz zu der Figur. Und die Figuren innerhalb einer Geschichte, die mir weniger liegen, nehme ich genauso ernst: warum mag ich die oder den nicht? Niemals verrate ich meine Figuren, auch nicht die ungeliebten. Ohne die gäbe es die Geschichten nicht.

Während des Erzählens läuft immer ein Strang mit, in dem ich beobachte, wie das Publikum reagiert. Es ist meine Aufgabe als Erzählerin das Publikum immer zu berücksichtigen. Ich möchte ihnen mit der Geschichte nahe kommen, aber niemals sie bedrängen, sozusagen auf die Bühne ziehen. Alle hören dieselbe Geschichte, aber jede/r hört sie auf ihre/seineWeise. Und das unterscheidet sich zum Teil erheblich. Das ist oft überraschend.
Die Geschichten überraschen auch mich beim Erzählen: plötzlich ist da ein Detail, das habe ich so noch nie erzählt, das gibt der Geschichte einen neuen Drive. Es ist als hörte ich mir selber zu beim Erzählen. Hinterher reflektiere ich das: wie hat es die Geschichte verändert, stimmt er, warum war dieser Impuls auf einmal da?
Manche Geschichten lege ich nach einiger Zeit ab, andere bleiben für immer.

3. Lesen Sie viel, damit Sie dann auch Geschichten zu erzählen haben?

Früher habe ich in der Woche 4-5 Bücher gelesen, alle gleichzeitig. Jetzt schwankt mein Pensum stark, ich höre viel Hörbücher. Das ist bequem, aber es bleibt auch ein wenig eigene Phantasie auf der Strecke. Ich schreibe auch, Lyrik, Poesie, Kurzgeschichten. Aber die erzähle ich nicht (obwohl das autobiografische Erzählen ein eigenes Genre innerhalb der Erzählergilde ist).
Obwohl jede/r von uns alles erzählt, von den klassischen Märchen wie denen, die die Grimms gesammelt haben, den Märchen der Welt, Weisheitsgeschichten, Schwänke, Mythen der Welt… ist vermutlich jede/r Erzähler/in immer auch auf der Suche nach dem was für sie/ihn besonders gut passt.
Bei mir ist es u. a. das Erzählen im Alltag: auf der Straße, auf Marktplätzen, im Eingangsbereich der Bibliotheken, sozusagen „Geschichten im Vorübergehen“. Das hat seine eigenen Anforderungen, aber das passt zu mir. Das kurze Lächeln, der versunkene Blick, der spürbare Augenblick, in dem die Realität zurücktritt und die ZuhörerIn eintritt in die „Anderswelt“…so wie ich es mit meinem Projekt „story to go“ immer wieder praktiziere und damit einen Moment der Verzauberung erschaffe.
Ich finde, wir sind im Alltag oft bedürftig nach etwas Schönem, nach etwas, das uns Mut macht, das unsere Verzagtheit oder auch nur die Routine durchbricht. In den Märchen ist ALLES, das ganze Leben, universell vorhanden. Deswegen wird auch auf der ganzen Welt erzählt, deswegen finden wir viele Märchenthemen, in kulturellerAbwandlung auf der ganzen Welt: Rotkäppchen in Japan, Rumpelstilzchen in Schweden, Schöpfungsmythen…

Die Pandemie hat uns besonders vor Augen geführt,  dass wir durch und durch soziale Wesen sind und einander brauchen. Es war ein großes Glück für mich, dass mitten in manche Schwermut (wir konnten ja nirgendwo erzählen) mich eine Berliner Bibliothek fragte, ob wir nicht ein digitales Projektzusammen machen wollten. Erzählen digital? Das konnte ich mir kaum vorstellen….und dann ist, gemeinsam mit wunderbaren Kolleginnen und Kollegen ein tolles Projekt entstanden: CORONARE ERZÄHLUNGEN – GESCHICHTEN DIE ZUM HERZEN FÜHREN. Das Wort „coronar“ ist ein Wortspiel, es bezieht sich sowohl auf die Herzkranzgefäße, die das Herz versorgen, als auch auf das Coronavirus.

Die Coronaren ErzählerInnen:
Suse Weiße, Sven Tjaben, Silvia Freund, Naemi Schmidt-Lauber, Rea Schoen, Hamid Saney

2022 heißt das Thema des Weltgeschichtentags VERLOREN UND GEFUNDEN, d. h. alle Geschichten, die an diesem Tag auf der Welt erzählt werden, in unglaublich vielen Sprachen, erzählen Geschichten vom Verlieren und (wieder)Finden.

Beim Erzählen tragen wir üblicherweise „Alltagskleidung“, aber die nicht zufällig, sondern überlegt. Wenn es passt, trage ich gerne Stulpen, ein Paar trage ich immer nur beim Erzählen. Wenn ich sie anziehe, verbinde ich mich schon mit dem Moment, wo ich auf der Bühne stehen werde (das kann auch die Treppe vor der Ergotherapiepraxis sein) und erzähle.
Ich wusste nicht, dass mich da sempre für den Blog auswählen wollte, um diese Geschichte hier zu erzählen. Es ist also Zufall, dass ich bei den Werbefotos für das digitale Projekt den leuchtend roten Seidenschal mit den kleinen Filztupfen trage.

Vielen Dank, liebe Frau Schoen, dass wir Sie hier vorstellen konnten und Sie unsere Fragen so spannend beantwortet haben.

Damit Rea Schoen beim Erzählen auch als besondere Persönlichkeit wahrgenommen wird, liebt sie besondere Accessoires, die sie oft bei da sempre findet:

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist 001-683x1024.jpg.

Einen duftigen Seidenschal von Estelle z.B. oder verspielte Seidenmanschetten von Lieblingsstükke, die einen außergewöhnlichen Auftritt unterstreichen. Denn erzählt wird ja nicht nur mit dem Mund, sondern mit der ganzen Person und vor allem mit den Händen …

Wir hoffen, Sie, liebe LeserInnen, haben nun Lust auf Geschichtenerzählen und -hören bekommen. Vielleicht buchen Sie mal Rea Schoen mit einem Märchen oder einer ganz persönlichen Geschichte als Geschenk. Das ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes.

Rea Schoen
www.hoer-schau.de
nachricht@hoer-schau.de
01575 3491712

Und sicher werden Sie am 20.3. die Ohren spitzen, ob Sie irgendwo eine feine Geschichte hören.

Wir grüßen Sie sehr herzlich und wünschen gutes Hören …

Ihre Sieglinde Graf und das Team von da sempre

Fotos: August Hegedüs. Foto aus Video von Kieselfilm, die Rechte liegen bei August Hegedüs. Wir danken für die Genehmigung zur Veröffentlichung.

Bisher sind vier Beiträge in dieser losen Reihe erschienen:

Im Januar 2020 haben wir begonnen mit:
In Schweden und am Bodensee – da sempre Kundinnen haben da was für Sie!

Und im April 2020 mit Farbberatung online von Ines Meyrose fortgesetzt:
Farbberatung online, Kleiderschrankberatung telefonisch… – wo gibt’s denn sowas?

Im Juli 2020 haben wir zwei Kundinnen und Bloggerinnen vorgestellt und es geht um Mobilität:
Elektro-Auto oder gar kein Auto? Zwei da sempre Kundinnen berichten.

Im Januar 2021 hat die Bloggerin Fran-tastic ihr E-Auto und ihre guten Erfahrungen damit vorgestellt. Schauen Sie mal rein!
Ein halbes Jahr elektrisch.

Zum Welttag des Buches 2021:
2 Autorinnen bei da sempre

12 Antworten auf „Kundin bei da sempre und Geschichtenerzählerin: Rea Schoen aus Berlin“

    1. Moin Ines,
      ja, Erzählen ist eine Kunst. Live erzählte Geschichten sind auf jeden Fall immer etwas Besonderes und man kann richtig mitgehen. Rea Schoen nennt das ja auch dann „Anderswelt“ und das trifft es wohl sehr gut.
      Und ist es nicht toll, dass sowas sogar via Telefon geht oder per Audiodatei und ganz persönlich zugeschnitten? Das finde ich eine wirklich gute Idee.
      Ein gemütliches Wochenende mit Geschichtenlesen oder -hören wünsche ich Dir herzlich,
      Sieglinde
      https://blog.da-sempre.de/wp-admin/edit-comments.php#comments-form

  1. Tolle Frau! Witzig, dass die Tochterfreundin auch bei Frau Wardetzky war, sie ist dann aber letzten Endes doch Lehrerin geworden ( wo frau ihr erzählerisches Potential ja auch gut ausleben kann, wie ich selbst erfahren habe ).
    Rea Schön hat mich animiert, den Pünktchenschal auch zu reaktivieren ( passt zur Magnolienblüte ).
    Habt’s fein!
    Astrid

    1. Liebe Astrid,
      dann kennst Du ja den geschichtenerzählenden Topos auch aus anderer Perspektive :-).
      Ich freu mich, dass Du sogar Frau Wardetzky kennst vom Namen her. Die Welt ist klein.
      Rea Schoen hat sich sicher die Beste ausgesucht…
      Dass Du den Pünktchenschal reaktivierst, ist klasse. Wir brauchen jetzt was Leichtes, Duftiges!
      Herzlichst, Sieglinde

  2. Was für eine charismatische Frau. Danke für das tolle Interview und die Vorstellung.
    Ich mag solche wahren Geschichten, bei denen das Leben auch zu einem späteren Zeitpunkt nochmal eine neue und feine Richtung einschlägt.
    Danke, liebe Sieglinde.
    Alles Liebe
    Nicole

    1. Liebe Nicole,
      genau das finde ich auch so ermutigend, dass im Leben oft noch eine interessante Wendung möglich ist.
      Man merkt Rea Schoen die Leidenschaft und Liebe an, mit der sie ihre Profession ausübt. Es macht sicher viel Vergnügen ihr zuzuhören und sie dabei zu sehen.
      Es freut mich sehr, dass Dir ihre Vorstellung hier so gut gefallen hat.
      Herzlich, Sieglinde

  3. Eine tolle Frau! Ich bewundere, dass sie (quasi in „meinem Alter“) noch etwas ganz Neues angefangen hat. Märchen on demand und Geschichten zum Bestellen, wie toll ist das denn? Gerade in der heutigen Zeit, wo Erzählkunst und Geschichten leider ausstirbt, ist das eine klasse Idee!
    Danke für die Vorstellung von Rea Schoen, hab den Post mit großem Interesse gelesen.
    Und natürlich passen Eure schönen Accessoires zu genau diesen tollen Frauen! Ist ja mal klar… 😀 Besonderes zu besonderen Menschen halt.
    Ich wünsche Dir eine schöne, sonnige Woche, herzliche Grüße
    Maren

    1. Liebe Maren,
      dass sie und ihr Metier Dir gefallen, freut mich sehr und ich habe es mir auch schon fast gedacht. Ich finde das auch klasse mit den Märchen on Demand und den Geschichten zum Bestellen. Das gibt eine ganz neue Möglichkeit von Schenken und Beschenktwerden, eigentlich ja von richtiggehend „bedacht“ werden.
      Es freut mich auch besonders, dass Dir ihre Vorstellung hier in Verbindung mit da sempre so gut gefallen hat!
      Herzliche Grüße,
      Sieglinde

  4. Oh, wie schön. Es ist eine wahre Kunst, eine gute Geschichte so zu erzählen, dass die zuhörende Personen gefesselt an den Lippen des Sprechenden hängen.
    Ich kann mich in meiner Schulzeit an wenige Lehrkräfte erinnern, die das drauf hatten. Sie sprachen mit Leib und Seele. Und ich habe sie noch heut vor Augen.
    DIE KLEINE VERZAUBERUNG. Was für ein schöner Gedanke.
    Und erzählt ist definitiv was anderes, als gelesen. Eine Radiomoderation vorzulesen kann man sich eigentlich gleich sparen, das bietet dem Hörer einer Musiksendung kaum Mehrwert. Aber wenn Du sprichst, über Musik sprichst, dann wird da die ganze Begeisterung transportiert.
    Schön, dass Du unseren Gastbeitrag über den Tesla hier nochmal finden dürfen. Wir sind übrigens noch immer sehr zufrieden und möchten den roten Flitze Feuerzahn nicht mehr missen.
    BG Sunny

    1. Hallo Sunny,
      ja, jemand der gut und lebendig Geschichten erzählen kann, bleibt in Erinnerung. Toll, dass Du sogar noch solche Lehrkräfte erinnerst.
      Da Du ja selber im Radio moderierst, kennst Du die Unterschiede auch sehr genau. Es freut mich, dass Dir Rea Schoen mit ihrer Kleinen Verzauberung so gut gefallen haben.
      Und dass Euch Euer Tesla weiterhin gefällt, davon bin ich auch ausgegangen, so begeistert wie Du davon erzählt hast. Dein Beitrag wird immer dann mit erscheinen, wenn ich wieder mal eine Kundin von uns vorstelle.
      Herzliche Grüße schickt Sieglinde

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